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05.11.2007

Ambulante Operation: Festpreis gefordert

Belegklinik, Krankenhaus, Praxisklinik: Gleiche Eingriffe werden unterschiedlich honoriert.


Kiel ? ?Da müssen wir operieren.? Wer das von seinem Facharzt hört, ist sicher nicht begeistert. Doch oft folgt Erleichterung bei dem Nachsatz: ?Das kann ich aber ambulant machen.? Der Patient verbindet damit: Ich muss nicht lang ins Krankenhaus, ich kann mich zuhause auskurieren, ich werde vom vertrauten Arzt operiert und nachher weiter betreut. Verständlich, dass Patienten Ambulantes Operieren positiv bewerten. Wie hart umkämpft der Markt ist, weiß aber kaum jemand.
Nehmen wir an, ein Hobbyfußballer hat sich beim Spiel verletzt. Sein Orthopäde stellt fest, dass er am Kreuzband operiert werden muss, und bietet an, dass er den Eingriff selbst ambulant vornimmt. Kurzfristig kann er einen Termin anbieten. Der Arzt, der selbst aus Kostengründen keinen eigenen Operationssaal vorhält, hat nun drei Möglichkeiten: Er kann in einer Praxisklinik einen OP-Raum anmieten und dort die gesamte Infrastruktur nutzen. Er kann das aber auch bei einem Belegkrankenhaus machen oder seine Fähigkeit als Konsiliararzt bei einem ?normalen? Krankenhaus, das für die Grund- und Regelversorgung der Bevölkerung zuständig ist, einsetzen.
In allen Varianten wird er zwar dieselbe OP-Leistung erbringen, diese wird aber sehr unterschiedlich bezahlt: Denn in einer Belegklinik wird der Eingriff am Kreuzband mit 634 Euro vergütet. In einer Praxisklinik bekommt der Arzt 725 Euro. Und im Krankenhaus überweist die Krankenkasse für dieselbe ärztliche Leistung 1064 Euro. Selbst wenn das Krankenhaus nicht die gesamte Summe an den Operateur weiterreicht, ist die Operation dort am lukrativsten. Und das ist auch bei anderen Eingriffen so. Wer eine Krampfader operiert, bekommt an der Belegklinik 75 Euro, an der Praxisklinik rund 144 Euro und im Krankenhaus bis zu 275 Euro.
Die unterschiedliche Bezahlung hat Folgen. Manche sprechen bereits von einem Kampf um niedergelassene Operateure. Fest steht: Belegkrankenhäuser wie etwa das St. Elisabeth Krankenhaus in Kiel haben in den vergangenen Jahren Ärzte an Regel-Krankenhäuser verloren. Und mancher Arzt überlegt hinter vorgehaltener Hand, ob er nicht grundsätzlich die Praxis ein paar Tage in der Woche schließt und lieber in der Zeit am Krankenhaus sicheres Geld verdient.
Direktoren von Belegkliniken wie Jürgen Marx vom St. Elisabeth Krankenhaus fordern deshalb Festpreise für ambulante Operationen. ?Die jetzige Struktur verzerrt nicht nur den Wettbewerb, sondern ist auch volkswirtschaftlich unsinnig, weil Belegkrankenhäuser 18 bis 22 Prozent preiswerter als normale Krankenhäuser arbeiten?, sagt Wolfgang Abraham, der als Geschäftsführer von Mare in Kronshagen für das Modell Praxiskliniken streitet, aber auch Abläufe von Krankenhäusern wissenschaftlich untersucht hat. Er fordert, dass kleine und mittlere Eingriffe viel stärker an solch ambulanten Zentren in Kooperation mit Belegkliniken vorgenommen werden. ?Das würde die Kassen entlasten und könnte eine Perspektive sein für die Krankenhäuser, die in den kommenden Jahren wegen des Kostendrucks aufgeben müssen. Auf Fehmarn funktioniert das bereits gut.?
Statt ein ?Gemischtwarenladen? zu sein, könnten sich die verbleibenden Krankenhäuser dann auf die schweren Operationen, auf die Schwer- und Chronischkranken und die ältere Patienten kümmern. ?Und zwar mit mehr Pflegepersonal, weil diese Patienten viel mehr Fürsorge, Pflege und Begleitung benötigen als wenn jemand nur einen kleinen Eingriff hat.?

Heike Stüben

Quelle: Kieler Nachrichten vom 22.10.2007

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