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23.09.2009

Gelenkverschleiß: Moderne Behandlungen und Alternativen bei der Hüft ? und Kniegelenksarthrose

Schmerzen in den Gelenken sind erste Alarmzeichen und Hinweise auf eine Verschleißerscheinung. Bei der sogenannten Arthrose ist der Gelenkknorpel abgenutzt. Ohne die schützende Knorpelmasse reiben die Knochen aneinander und verursachen quälende Schmerzen, vor allem zu Beginn einer Bewegung.


Das schmerzende Gelenk wird immer mehr geschont, die Muskeln bauen ab und das Gelenk wird immer unbeweglicher. Alltägliche Bewegungen wie zum Beispiel Bücken oder Schuhe zuschnüren werden unmöglich. Prinzipiell können alle Gelenke von einer Arthrose betroffen sein, überwiegend trifft es aber die großen Gelenke Knie, Hüfte und Schulter.

Die Arthrose der Hüftgelenke beginnt vielfach sehr harmlos. Man steht auf und die ersten Schritte bereiten Probleme, mitunter auch leichte Schmerzen. Das gibt sich zwar rasch, tritt dann aber immer häufiger und stärker auf. Abwärtssteigen von Treppen, Drehbewegungen, etwa beim Aussteigen aus dem Auto oder auch das Spreizen und Heranziehen der Beine bereitet dann starker Schmerzen. Ist die Hüftarthrose weiter fortgeschritten, schmerzen die Gelenke auch in Ruhe und nachts.

Bewegen ohne Belasten

Am Anfang einer Arthrosebehandlung sollte die physikalische Therapie stehen, also die Anwendung von Wärme, Kälte, Mechanik (Sporttherapie), Krankengymnastik, Ergotherapie und Massagen sowie Elektrotherapie. Da die Existenz der Knorpel von Bewegung abhängt, muss das wichtigste therapeutische Ziel stets darin bestehen, Beweglichkeit und Bewegung wieder möglich zu machen. Grundprinzip dabei ist es zu bewegen, ohne allzu sehr zu belasten. Ideal sind deshalb Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren. In der Regel schreitet die Arthrose trotz der Behandlung langsam fort und die Lebensqualität wird zusehends schlechter, bis dann letztlich einfache Dinge des Alltags nur mit Schmerzen bewältig werden können. Spätestens dann ist es an der Zeit, über eine Operation nachzudenken.

Die Umstellung kann für Entlastung sorgen

Je nach Stadium der Arthrose und Alter des Patienten gibt es heute sehr moderne Operationsverfahren, die prinzipiell in gelenkerhaltende und gelenkersetzende Operationen unterschieden werden. Zu den gelenkerhaltenden Eingriffen, welche vorwiegend bei der Knie ? und Hüftarthrose durchgeführt werden, zählen Umstellungsoperationen und Gelenkspiegelungen ? Arthroskopien. Bei einer gut geplanten Umstellungsoperation werden bei der Hüfte die Oberschenkelknochen, bei der Kniearthrose die Unterschenkelknochen durchtrennt und in einer anderen Stellung wieder fest miteinander verbunden. Nach solch einer Operation dauert es etwa 6 Wochen, bis der Knochen wieder ausgeheilt und das Bein wieder voll belastbar ist. Das Ziel einer Umstellungsoperation ist es, die noch nicht verschlissenen Bereiche des Gelenks mehr zu belasten und die verschlissenen Bereiche eines Gelenkes zu entlasten. Dies kann zwar die Arthrose nicht heilen, wohl aber den Schmerz deutlich reduzieren oder beseitigen.

Hüftarthroskopie bislang nur in wenigen Zentren

Eine weitere Möglichkeit, dass Gelenk zu erhalten ist die der Gelenkspiegelung. Hier wird die zerstörte Gelenkfläche geglättet, dass Gelenk reibt deutlich weniger und funktioniert wieder besser. Während solche Gelenkspiegelungen beim Kniegelenk von vielen Ärzten inzwischen durchgeführt werden, ist die Gelenkspiegelung bei einem Hüftgelenksverschleiß deutlich aufwendiger und schwieriger und wird bislang nur in wenigen Zentren durchgeführt. Der Eingriff erfolgt in Teil- oder Vollnarkose und ist weitgehend unblutig. Über winzig kleine Hautschnitte werden eine Kamera und kleine Operationsinstrumente eingeführt und die Bilder auf einen Monitor übertragen. Je nach Befund erfolgt dann die Therapie. Liegt z.B. eine Verletzung der Gelenklippe der Hüfte vor (Labrumriß), wird der ?geschädigte? Anteil, der die Schmerzen verursacht, soweit mit kleinen Schneideinstrumenten entfernt bis nur noch gesundes, festes Gewebe vorhanden ist. Bei kleineren Knorpelverletzungen ist eine Knorpelübertragung mit körpereigenen Knorpelzellen möglich. Die Hüftarthroskopie wird außerdem bei zahlreichen anderen Erkrankungen neben der Arthrose der Hüfte durchgeführt. Eine solche typische Erkrankung ist das so genannten femoroacetabuläre Impingement des Hüftgelenkes. Hier kommt es durch veränderte anatomische Verhältnisse ? am Oberschenkelhals und/oder am Pfannenrand ? zu einem Anschlagen beider Knochen bei Beugung der Hüfte. Dabei wird der knorpelige Pfannenrand (das sog. Labrum) als auch der Knorpel in der Gelenkpfanne eingequetscht und es entsteht ein typischer Schmerz in der Leiste, ein Beuge ? und Drehschmerz und letztlich dann die Arthrose. Über einen minimalinvasiven Zugang können bei der Hüftarthroskopie die störenden Knochensporne wieder abgetragen und das Labrum als auch der Knorpel behandelt werden. Dadurch kann tatsächlich in vielen Fällen ein Fortschreiten der Arthrose verhindert und damit das Gelenk erhalten werden. Nach einer Hüftgelenksarthroskopie können die Patienten unmittelbar mit der Rehabilitation beginnen.

Schon am 1. Tag nach einer solchen Operation kann der Patient wieder auf einem Fahrradergometer trainieren. Für den langfristigen Erfolg ist aber ebenso eine gute Mitarbeit des Patienten entscheidend. Zu den wesentlichen Punkten zählen hier eine konsequente Gewichtreduktion und eine regelmäßige Bewegung der Gelenke. Der ohnehin schon angeschlagene Gelenkknorpel braucht die Bewegung, um mit Nährstoffen versorgt zu werden.

Die Arthrose schreitet aber meist trotz aller Bemühungen fort und letztlich hilft dann nur noch der Ersatz des Gelenkes durch ein Kunstgelenk, eine Prothese.

Je mehr Knochen erhalten werden kann, desto besser

Kunstgelenke gibt es heute für Hüfte, Knie und Schulter in großer Anzahl und in vielen verschiedenen Variationen und Materialien. Die Kunst des erfolgreichen Gelenkersatzes besteht in der richtigen Auswahl der Prothese und in der optimalen Operationstechnik. Bei einer minimal invasiven Operationstechnik können heute Prothesen eingesetzt werden, ohne dass Sehnen oder Muskel abgelöst werden. Dies hat den große Vorteil, dass sehr schnell wieder eine vollständige Wiederherstellung der Kraft und der Funktion erreicht werden kann. Für den Operateur bedeutet dies aber eine aufwendigere und schwieriger durchzuführende Operation. Bei noch nicht zu weit fortgeschrittener Hüftarthrose stehen heute sehr moderne minimal invasive Implantate zur Verfügung. Solche sogenannten Kappenprothesen erlauben eine maximale Schonung des Knochens. Dieser geht sonst bei einer normalen Hüftprothese verloren, da der Hüftkopf und eine Teil des angrenzenden Knochens abgeschnitten werden, um die Prothese zu verankern. Bei einer Kappenprothese bleibt der Knochen nahezu komplett erhalten. Damit hat der Patient seinen Knochen maximal geschont. Dies zahlt sich dann später aus, wenn es zu einer Lockerung der Prothese kommt und ein Prothesenwechsel unumgänglich wird. Hier gilt die einfache Regel: Je mehr Knochen erhalten ist, desto besser kann die 2. Prothese verankert werden. Bei einer Kappenprothese ist der dafür notwendige Knochen komplett erhalten und die 2. Prothese kann so gut und sicher verankert werden, als ob es erst die Erste ist.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die optimale Schmerzbehandlung während der Zeit nach der Operation. In enger Zusammenarbeit von Narkoseärzten, Orthopäden und Schmerzspezialisten können so spezielle Narkoseverfahren und Schmerzbehandlungsverfahren durchgeführt werden. Dies führt im optimalen Fall dazu, dass nach einer Operation so gut wie keine Schmerzen empfunden werden. So kann die Rehabilitation bereits sehr früh gestartet und sehr intensiv durchgeführt werden. Enge Kooperation, große operative Erfahrung und gut informierte Patienten sind am Ende die Bausteine und Garanten für eine erfolgreiche und individuelle moderne Behandlungen eines Gelenkverschleißes.