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16.06.2010

Moderne Behandlung der vorderen Kreuzbandverletzung


Die Zahl der vorderen Kreuzbandverletzungen in Deutschland steigt kontinuierlich. 2009 zogen sich 50.000 Menschen Kreuzbandverletzungen zu. Neben typischen Ballsportarten wie Fußball und Handball bringen auch zunehmend Skifahren und Trendsportarten wie z.B. Kiten eine Erhöhung der Kreuzbandverletzungen mit sich. Die Zahl der Verletzungen bei Frauen ist höher als bei den Männern.

Wie sieht nun der moderne Versorgungsstandard einer Kreuzbandverletzung aus? Zunächst ist es wichtig zu wissen, ob die Verletzung älter oder frisch ist. Die schon lange bestehende Verletzung kann natürlich zu einem geplanten Zeitpunkt erfolgen. Die frische Verletzung ist möglichst zeitnah (Unfalltag bis darauf folgenden Tag) zu versorgen. Ist die operative Versorgung nicht aktuell möglich, so muss für mindestens 3 Wochen eine konservative ?Vorbehandlung? mit Krankengymnastik und abschwellenden Maßnahmen der operativen Versorgung voraus gehen. Operationen nach bereits eine Woche zeigen ein deutlich erhöhtes Risiko für Verwachsungen und Schwellungen. Die Rehabilitation nach zu früh vorgenommen Operationen kann sich beträchtlich verlängern.

Für die Stabilitätsprüfung der Bänder ist nach wie vor eine ärztliche Untersuchung und Exploration der Lebens- und Arbeitssituation unerlässlich. Ein Arbeitnehmer mit Bürotätigkeit hat nach der Operation eine nur geringe, ein Tiefbaufacharbeiter  eine starke körperliche Belastung. So ist die Wiederaufnahme der Büroarbeit nach 3 Wochen, die im Tiefbau nicht vor 3 Monaten möglich.

Als goldener Standard wird heute ein MRT (Magnetresonanztomographie) durchgeführt.

 Hierdurch kann die Art der vorderen Kreuzbandverletzung (vollständiger, Teilriss) und Begleitverletzungen an Meniskus und Knorpel festgestellt und somit der Eingriff entsprechend gut geplant werden.

Die moderne Kreuzbandchirurgie ist minimal-invasiv (sog. Schlüssellochchirurgie). Ist nur ein Teil des vorderen Kreuzbandes, das aus 2 Bündeln besteht, defekt, so wird möglichst nur der zerrissene Teil ersetzt, bei einem vollständigen Riss, das gesamte vordere Kreuzband.

Neben der Versorgung des Kreuzbandes werden während der gleichen Operation Knorpel- und Meniskusschäden repariert. Bis auf sehr seltene Fälle wählen wir ein einzeitiges operatives Vorgehen (Komplettversorgung).  

Nach der Operation wird eine Schiene angelegt, um die Einheilung des Transplantates zu schützen (Mahnfunktion).

In der Regel versorgen wir die Patienten für 2 Tage stationär. Diese Zeit hat sich in nun mehr  20 Jahren als ideal herausgestellt. Im Krankenhaus kann der vor der Operation in den Oberschenkel eingebrachte Schmerzkatheter bei Bedarf ?nachgespritzt? werden; Durch die Schmerzkatheterversorgung sind Krankengymnastik, das Entfernen der Wunddrainage und Motorschienenbehandlung nahezu schmerzfrei möglich.

Eine intensive Rehabilitation vor der vierten postoperativen Woche bietet keine Vorteile zur Krankengymnastik. Nach vier Wochen wird die Belastung unter physiotherapeutischer Anleitung schrittweise gesteigert. Hier ist auch die Abstimmung mit dem Operateur sehr wichtig, damit auch mögliche Begleitschäden an Meniskus und Knorpel ausreichend berücksichtigt werden können.
 
Was bedeutet der Kreuzbandersatz für den Sport? Besonders muss bei der Wiederaufnahme sportlicher Aktivitäten daran gedacht werden, dass die eingepflanzte Sehne in den Knochen nur langsam einheilt. Deshalb ist eine abgestimmte Therapie bis zum 8. Monat nach der Operation Voraussetzung für die vollständige Genesung.

Mit unserem unseren heutigen guten operativen- und rehabilitativen Nachbehandlungsmöglichkeiten erreichen wir zuverlässig  eine vollständige Wiederherstellung der Gelenkfunktion. Die Kreuzbandoperation ist ein technisch anspruchsvoller Eingriff und  setzt viel operative Erfahrung voraus. Ein technisch nicht einwandfreier Eingriff kann das Knie dauerhaft schädigen und so einen frühzeitigen Verschleiß begünstigen.

Dr. Hauke Jensen
Orthopäde im ORTHOPAEDICUM Kiel Mitte
Belegarzt Sankt Elisabeth Krankenhaus Kiel