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28.12.2010

Die richtige Therapie beim Knieschmerz

Jahrzehnte lang hat das Knie funktioniert. Alles war möglich, nichts tat weh, nie dachte man daran, dass das Knie mal nicht mehr richtig funktioniert und eigentlich ist man ja noch viel zu jung für ein neues Knie. Das "neue Knie" steht allerdings ganz am Ende eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten. Es sind in der Regel Verletzungen, tägliche Überlastungen und Fehlstellungen die am Ende zu einem Verschleiß führen. Das oberste Behandlungsziel ist es, die Ursache richtig zu erkennen und dann die richtige Therapie zu empfehlen.



Mit der richtigen Therapie kann in vielen Fällen ein Verschleiß verhindert oder der Verlauf deutlich verlangsamt werden. So lohnt es sich immer, wenn man sich in einem Zentrum vorstellt, in dem jahrlange Er­fahrung besteht in Diagnostik und Durch­führung der verschiedenen  Therapien.

Neues Therapieverfahren bei Knorpelschäden und Verschleiß

Moderne Behandlungsverfahren nutzen körpereigene Wachstumsfaktoren. Diese können aus dem körpereigenem Blut­plasma gewonnen werden und ermögli­chen eine biologische Reparatur, ganz so wie eine Verletzung mit körpereigenen Mitteln ausheilt. Die Behandlung mit au­tologem conditioniertem Plasma (ACP) stellt ein neuartiges Behandlungsver­fahren zur Therapie verschleißbedingter Gelenkbeschwerden dar. Inzwischen ist auch wissenschaftlich erwiesen, dass die im Blut des Menschen enthaltenen Wachstumsfaktoren unterschiedliche Heilungsvorgänge positiv beeinflussen können. Auf dieser Erkenntnis beruht die ACP-Therapie. Mittels konzentrier­ter Wachstumsfaktoren im Blut können Heilungs- und Aufbauprozesse im ge­schädigten Gelenkknorpel angeregt wer­den. Die klinischen Ergebnisse zeigen signifikante Verbesserungen hinsichtlich Schmerzverlauf und Beweglichkeit. Bei dem ACP Verfahren wird eine kleine Men­ge Blut aus der Armvene entnommen. Durch ein spezielles Trennverfahren wird der Teil des Blutes gewonnen, der die körpereigenen regenerativen und arthro­sehemmenden Bestandteile enthält. Die so gewonnene körpereigene Lösung wird in das betroffene Gelenk injiziert.

Schwierig wird die Behandlung bei Pa­tienten mit einer entzündlichen rheuma­tischen Erkrankung. (Rheuma, Psoriasis, Bechterew, etc.). Hier steht das Kniege­lenk nie alleine im Focus sondern es wer­den grundsätzlich immer alle betroffenen Gelenke behandelt.Der wesentliche Be­standteil der Therapie bei rheumatischen Erkrankungen ist die Basistherapie, die durch die Einführung der Biologikather­apie in dem letzten Jahrzehnt revolutio­niert wurde. Die Erkrankung kann direkt am Ort der Entstehung durch Verwendung spezifischer Antikörper gegen Entzün­dungsfaktoren (TNF-., Interleukine, B-Zell-Antikörper) nahezu vollständig zur Ruhe gebracht werden ? der Patient kann häu­fig ein völlig normales Leben führen.

Knieerhaltende Operationen bei Verschleiß

- Knorpeltherapie -

Mit speziellen Instrumenten werden ab­genutzte Knorpelstellen geglättet und Knorpel abbauende Enzyme und abge­löste Knorpelstückchen aus dem Gelenk herausgespült. Bei dem Verfahren einer

?Mikrofrakturierung? öffnet der Arzt den Knochen mit einem Spezialinstrument (Chondropick). Der Knorpel heilt auf Grund der Blutung aus dem Knochen­mark, so dass hier ein faseriger Ersatz­knorpel entsteht (Knorpelregeneration). Die Regernation kann mit Wachstums­faktoren (ACP-Verfahren, s.o.), die wäh­rend der OP aus dem Blut des Patienten gewonnen und in das Kniegelenk injiziert werden, erheblich gefördert werden.

- Knorpeltransplantation -

Bestehen begrenzte kleinere Knorpel­defekte kann Knorpel auch transplan­tiert werden. Bei dieser Knorpel-Kno­chen-Transplantation werden aus einer gering belasteten Zone des betroffenen Gelenkes Knorpel-Knochen-Zylinder verschiedener Größe entnommen und in den defekten Bereich transplantiert. Dadurch kann die geschädigte Knor­pelfläche vollständig mit körpereigene Material repariert werden.

- Meniskuschirurgie -

Der Meniskus ist der Puffer im Gelenk und kann leicht geschädigt werden. Nach einem Unfall oder im Rahmen einer Ver­schleißerkrankung wird dieser teilweise oder ganz entfernt. Dies führt zwar rasch zu einer Besserung der Beschwerden, aber auch zu einem Verlust der Dämpferfunk­tion. Wenn mehr als 40% des Meniskus­gewebe entfernt wurde, steigt das Arthro­se-Risiko im Kniegelenk erheblich an. In diesen Fällen sollte eine Meniskusersatz­operation (Verwendung von einem Kol­lagen Meniskusimplantat) durchgeführt werden. Dieses Transplantat wird über ei­nige Monate hinweg durch körpereigenes Gewebe umgebaut und ersetzt. Dies kann letztlich die Gelenkfunktion stabilisieren und eine Arthrose verhindern.

- Knieachsenkorrekturen -

Sehr häufig findet sich bei der Arthrose des Kniegelenkes nur ein einseitiger Knor­pelverschleiß. Das heißt der Knorpelbelag ist entweder nur im äußeren oder nur im inneren Gelenkspalt abgenutzt (redu­ziert). Durch den einseitigen Knorpelver­lust kommt es zu einer Verschiebung der Hauptbelastungsachse in den arthroti­schen Gelenkspalt. Dadurch nimmt der Belastungsdruck auf der kranken Seite weiter zu und der Abnutzungsprozess im arthrotischen Gelenkspalt wird noch be­schleunigt. Am häufigsten ist die Arthro­se des inneren Gelenkspaltes zu finden (Mediale Gonarthrose oder Varusgonar­throse). Ursache kann eine Schwäche des äußeren Bandapparates, eine ange­borene O-Beinstellung, ein Zustand nach Meniskusoperation in der Jugend oder eine Unfallfolge sein. Das Ziel der Umstel­lungsoperation ist die Wiederherstellung der geraden Beinachse und die Entlas­tung des abgenutzten Gelenkanteils. Die Hauptlast soll zusätzlich vermehrt auf den noch intakten Knorpel im äußeren Ge­lenkspalt verlagert werden. Dieses muss sehr präzise geplant werden, sodass die Operation und der Winkel der Umstellung durch Computer Einsatz geplant und die OP simuliert wird. Durch diese Maßnahme kann der Verschleißprozess in der Mehr­zahl der Fälle verzögert werden. Idealer­weise wird dieses Verfahren mit der ACP Methode kombiniert, so dass sich der bereits geschädigte Knorpel durch Wachs­tumsfaktoren wieder erholen kann.


Gelenkersatz - Minimalinvasive endoprothetik -

Bei Versagen aller gelenkerhaltenden Methoden kann die Arthrose nur durch ein künstliches Gelenk ersetzt werden. Moderne technische Entwicklungen der Implantate und innovative Operations­techniken ermöglichen heute schonende und minimal invasive Verfahren und sind wichtige Komponenten eines erfolgrei­chen Gelenkersatzes. Ebenso groß, wenn nicht sogar größer, ist die Wahl des richti­gen Operateurs. Große Studien haben in­zwischen mehrfach belegt, dass ein sehr gutes Ergebnis stark von der Anzahl der durchgeführten Operationen eines Ope­rateurs abhängt. Die sorgfältige Auswahl des richtigen Implantates, des richtigen Zeitpunktes, des richtigen Operateurs und eine sehr gute Mitarbeit des Patienten sind die Schlüsselpunkte der erfolgrei­chen Knieprothese. Das künstliche Gelenk ist ein sehr erfolgreiches Verfahren, bleibt aber die letzte von vielen Behandlungs­möglichkeiten, wenn das Knie schmerzt und der Verschleiß eingesetzt hat.

von Priv. Doz. Dr. med. Martin Fuerst, Prof. Dr. med. Ludger Gerdesmeyer, Dr. med. Andreas Losch

Weitere informationen
Tel.: 0431 - 6674 - 131
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