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Dankesschreiben von Detlev von Liliencron

Dankesschreiben von Detlev von Liliencron
Dankesschreiben von Detlev von Liliencron
Dankesschreiben von Detlev von Liliencron
Dankesschreiben von Detlev von Liliencron

Detlev von Liliencron
Detlev von Liliencron

Original-Text

Kiel, Klinisches Institut, Königsweg 8.
1. August 1887.

Wie hochherzig und gütig von Ihnen, mir in dieser Weise und so schnell zu helfen. Innigsten und herzlichsten Dank! Gestern erhielt ich Ihren zweiten lieben Brief und heute Morgen 200 Mark.

Wenn es Ihnen Recht ist, möchte ich einige Dankesworte aus vollem Herzen Herrn Ulrici sagen, und bitte in diesem Falle mir dessen Wohnung gütigst schreiben zu wollen. Glauben Sie, er es lieber nicht hätte, so sagen Sie mir dahin Ihre Meinung.

Wie unbeschreiblich freundlich von Ihnen, mir so zu helfen! Wahrhaftig, ist es schon nicht leicht, an intime Freunde für einen anderen, diesem nicht bekannten, in der Weise einzutreten, wie Sie es gethan, wie so viel aufopferungsvoller ist es, an fremde Menschen, wie den Herrn Oberbürgermeister, zu schreiben.

Ich muss an Sie, lieber Freund, halb im Fieber geschrieben haben. Es war mir die schrecklichste Stunde meines Lebens. Nicht aus Stolz oder Hochmuth; aber ich sage mir, dass der Aermste nicht in ein Krankenhaus ginge, ohne vorher der zu entrichtenden Zahlung sicher zu sein.

Die Operation musste geschehen, wenn ich mein Leben behalten wollte; es war die allerhöchste Zeit. Noch in derselben Nacht, in der ich Ihnen geschrieben --- mir muss die Tiedge-Stiftung im Gehirn herumgetobt haben und dann Ihr Name, als in Dresden wohnend --- ging mir eine Novelle durch den Kopf: "Aus Schmach, aus Schmach.":

Ein junger, anständiger Mensch, der in irgend einer Weise (-wie ich erzählen werde-) "heruntergekommen" ist, muss einer Operation wegen in ein Krankenhaus. Hier wird er geheilt, kann zum Schluss die grossen Summen nicht bezahlen, und stürzt sich in der letzten Nacht, "aus Schmach" aus dem Fenster, nachdem er als "geheilt" am nächsten Tage hätte entlassen werden sollen. Dies ist der Grundgedanke. So entstehen Dichtungen ... Sollten sie später die Novelle lesen, so werden Sie darin die Operation, d.h. namentlich wie der Saal aussieht, und was darin liegt und steht, finden und die Vorbereitungen (scheusslich), und das Ganze überhaupt, bis "die"Maske" vor die Nase gehalten wird. Ich hoffe, es dramatisch zu halten.

Im neusten Hefte der "Doppeleiche", einem speziell schleswig-holsteinischen Blatt fand ich Ihr schönes Gedicht "Heimatstätte für Heimatlose". Das lesen nun viele Schleswig-Holsteiner und werden mit mir innerlichst bewegt sein. Das Gedicht müssen Sie auch selbst vom Strande mitgenommen haben. Es riecht nach Salzwasser und Nordsee. Ja, so entstehen echte Lieder.

Mit tausens, tausend innigem Dank aus ganzem Herzen
Ihr treu-ergebener Liliencron.



Weiterführende Informationen

Opens external link in new windowDetlev von Liliencron bei Wikipedia

Opens external link in new windowTrutz, blanke Hans, v. Liliencrons bekanntestes Werk