Einrichtung und Arbeitsregeln für die Hospitäler


Original-Text

Bezüglich der allgemeinen Einrichtung dieses, in seiner jetzigen Form allmählich nach einem bestimmten Plan entstandenen Hospitals, hebe ich zunächst folgende Punkte hervor, denen ich besondere Wichtigkeit beilege.

1. Weite Zerstreuung der Kranken. Es sind die Patienten in räumlich zum Theil weit von einander getrennten Häusern untergebracht; unter einem Dach halten sich verhältnismässig wenig Kranke auf. Wir suchen auf diese Weise Ansammlungen von Infectionsstoffen, welche in überfüllten Häusern sehr leicht vorkommen können, möglichst zu vermeiden.
Wie aus dem General-Situationsplan hervorgeht, befinden sich in Kiel drei Krankenhäusern mit Nebengebäuden, in denen 65 Kranke Aufnahme finden können. Das auf dem Special-Situationsplan als Wechselhaus bezeichnete Gebäude No.2 ist zur Zeit des gründlichen Reinmachens der anderen Abtheilungen.

Für die Aufnahme der in No.4 und No.8 befindlichen Kranken bestimmt.- Im Gaardener Hospital ist die III. Klasse mit 40 Betten untergebracht. In Kiel und Gaarden steht je ein Isolirhaus für septische Kranke mit Operationsraum, Bad, mehreren Krankenzimmern und Tobzelle zur Disposition.

Beheizter Operationstisch
Beheizter Operationstisch
Instrumententisch mit einer Glasschale, in der die Instrumente desinfiziert wurden
Instrumententisch mit einer Glasschale, in der die Instrumente desinfiziert wurden

2. Gesonderte Untersuchungs- resp. Operationsräume für verschiedene chirurgische Krankheitsgruppen. Im Erdgeschoss des Kieler Haupthauses No.8 befinden sich ausser Buereau und Warteraum folgende Zimmer:

a. Untersuchungs- und allgem. Verbandzimmer, im Wesentlichen bestimmt für die Ambulanz und den Wechsel grösserer Verbände. Dazu ein Entkleidungszimmer, in welchem von aussen kommende Patienten vor der Untersuchung resp. vor Erneuerung eines Verbandes gereinigt werden und sich, soweit erforderlich, der Kleidung entledigen. Die Kranken treten also unter Zurücklassung ihrer schmutzigen Kleider, nach vorheriger Reinigung der Wunden, Geschwüre ect. Relativ sauber in das Untersuchungszimmer.

b. Ein Zimmer für Operationen in frischen Geweben. Dazu gehört ein Kellergeschoss befindliches Badezimer.

c. Ein Zimmer für Operationen in chronisch entzündeten Geweben. Dazu ebenfalls ein besonderer Baderaum im Kellergeschoss.

d. Ein Zimmer für Untersuchungen bei Rectal- und Urogenitalkrankheiten. Aller vom darm und der Blase gelieferte Schmutz, Koth, Urin ect. bleibt in diesem Raum.

e. Ein Zimmer für unblutige Operationen, orthopädische Untersuchungen und Behandlungen.

f. Das Isolirhaus mit Operations-, Bade- und Krankenzimmern für septische oder an Infectionskrankheiten leidende Patienten liegt weit ab von den übrigen Gebäuden im garten.

Für jedes der sub. a bis f genannten Operations- resp. Untersuchungszimmer ist ein besonderes Inventar und Instrumentarium vorhanden. Uebertragungen von einem Raum in den anderen sind somit ausserordentlich erschwert.

Lochzange gefertigt aus Komplettstahl zur Perforation der Haut
Lochzange gefertigt aus Komplettstahl zur Perforation der Haut
Lage des Gaardener Krankenhauses im Park
Lage des Gaardener Krankenhauses im Park

Im Gaardener Krankenhaus befinden sich im Erdgeschoss ausser zwei Krankensälen, Bureau und Wohnung für den Inspector folgende Zimmer:

a. Ein Zimmer für Operationen in frischen Geweben.

b. Ein Zimmer für Operationen in chronisch entzündeten Geweben. Die zugehörigen Bäder liegen im Kellergeschoss.

c. Das für Septische und Deliranten bestimmte Isolirhaus enthält Operationsraum, Bad, Krankenzimmer und Tobzelle. Die übrigen Kranken-Zimmer liegen im Obergeschoss.

3. Einfache Zimmereinrichtung. Welche das Anhaften von Staub sowie Schmutz jeder Art erschwert und eine rasche gründliche Reinigung gestattet. In der Hinsicht sind von Bedeutung: Glatte mit Emaillefarbe bestrichene Wände, abgerundete Ecken, Fussböden aus Marmorterazzo, Vermeidung von überflüssigen Verzierungen, Vorhängen, Schränken ect., glatte Thüren, möglichst wenig Holzwerk. Empfehlenswerth sind Fensterbänke aus Glas.

Das Waschgeschirr steht auf frei aus der Wand hervorragenden Glasplatten, das gebrauchte Wasser wird auf den Fussboden gegossen, wo es sich in Bodenversenkungen sammelt und alsdann durch ein weites Glasrohr nach Aussen abfliesst. Hier fällt das Wasser zunächst in einen weiten Trichter und von da aus in die Auffangröhren des Canalsystems. Um die Luft möglichst staubfrei zu machen, werden eine Stunde vor der Operation die Wände und Decken mit Wasser besprengt. Die von nun an ins Zimmer gelangende Luft muss, bis auf einen kleinen, während des Oeffnens der Thür hineingelangenden Theil, einen Gazefilter passiren. Dieser ist mit 5% Carbollösung angefeuchtet und vor der Zimeröffnung eine Mauercanals angebracht, durch welchen die aus der Kammer der Luftheizungsanlage stammende Luft in das Operationszimmer gelangt. Dreiviertel Stunden vor der Operation betritt die mit der Vorbereitung der Instrumente, Schwämme ect. beauftragte Person das Zimmer. Patient Aerzte und übriges Personal kommen zusammen erst unmittelbar vor dem Beginn der Operation in den Raum; Der Patient vollkommen vorbereitet, oft auch schon chloroformirt. Demnach operieren wir in einer feuchten Kammer in ausserordentlich staubarmer, nahezu staubfreier Luft. Diejenigen Theile der Wunde, an denen momentan nicht operirt wird, sind ausserdem durch ein darübergelegtes gekochtes Gazestück geschützt.

Neuber beschreibt im Weiteren bis ins letzte Detail Arbeitsschritte und Verhaltensregeln, damit die aseptische Kette nicht reißen kann.