Die Aseptische Wundbehandlung in meinen Chirurgischen Privathospitälern

von Dr. Neuber 1886  

– Fortsetzung –

Fig. 6: Entwässerungs-Anlage, 1886
Fig. 6: Entwässerungs-Anlage, 1886

Ueber dem Waschtisch befindet sich eine kleine Spiegelplatte, welch, das Niveau der Wand nicht überragend, in dieselbe eingemauert ist. „Der Fussboden des Zimmers ist, wie bereit erwähnt, leicht gegen eine flachovale Bodensenkung geneigt, welche der Aussenwand anliegt. In der letzteren liegt gegenüber dem tiefsten Punkte der Senkung ein Abflussrohr aus Glas mit ovaler Lichtung. Dieses Rohr durchsetzt die Aussenmauer, mündet vor derselben draußen frei aus; das abfliessende Wasser wird durch eine unterhalb angebrachten weiten Trichter (Fig.6) aufgefangen und von dort den Abflusskanälen des Hauses zugeführt (Fig.6). Es strömt also alles beim Waschen und Reinigen verbrauchte Wasser sammt Eiter und Blut, nachdem es auf den Fussboden gegossen war, direkt nach aussen ab - ohne Vermittelung einer Röhrenleitung, in welcher sich durch Zersetzung zurückgebliebener organischer Stoffe Gase entwickeln und in's Zimmer eindringen könnten.

Zum Inventar des Zimmers gehören ferner Operationsröcke aus weisser Leinewand, Schürzen aus leichtem wasserdichten Stoff, Gummistiefel, allerlei Glasgeräthe und schließlich die Instrumente. Die meisten Instrumente sind aus einem Stahlstück, möglichst glatt, ohne Rillen und Spalten gearbeitet (Fig.10). Zusammengesetzte Instrumente, wie Scheren, Schieberpincetten, Kornzangen, Hohlmeisselzangen etc. lassen sich zwecks der Reinigung leicht auseinander nehmen und hernach wieder zusammensetzen. Nach denselben Principien construirte Instrumente haben neuerdings fast überall in Deutschland Eingang gefunden. Die ersten Modelle für Messer und Meissel stammen jedoch aus England, wo MacEwen schon vor mehreren Jahren Meissel aus einem Stück herstellen liess, die ersten, von Weiss in London construirten Messer brachte Esmarch 1880 nach Deutschland, späterhin habe ich das Princip für alle Instrumente verallgemeinert. - Die Instrumente liegen in einer mit Glasthür versehenen Wandnische auf Glasplatten (Fig.9). In derselben Wandnische sind auch die Unterbindungsfäden, Jodoform- und Naphthalinpräpararate untergebracht, letztere in gläsernen Streubüchsen resp. Gefässen. Kannen, Schalen und Güsse in verschiedenen Formen und Grössen sind sämtlich aus Glas hergestellt. Zur Wundirrigation bediene ich mich fast ausschliesslich grosser Güsse.“ Der Esmarch'sche Irrigator wird fast nie benutzt, weil die Sterilisation des Gummischlauches Schwierigkeiten bereitet.

Fig. 10: Operations-Instrumente, 1886
Fig. 10: Operations-Instrumente, 1886

Ueber die Reinigung des Inventars ist Folgendes zu bemerken. Tische, Stühle, Gummidecken, Schürzen und Stiefel werden nach jedmaligem Gebrauch abgeseift und vor jeder Operation mit Sublimatwasser (1:2000) abgewaschen. Die Reinigung der Glasgefässe geschieht in derselben Weise. – Die Instrumente werden nach der Benutzung in heissem Wasser geseift und gebürstet, unmittelbar vor jeder Operation ¼ Stunde in kochendes Wasser, sodann in eine mit 1% Carbollösung gefüllte Schale gelegt und in die Nähe des Operationstisches gestellt. Ein für die Sterilisation der Instrumente bestimmter Kochapparat (Fig.9) befindet sich in jedem Operationszimmer.

Früher arbeitete man im Nebel eines Sprengapparates, welcher die Umgebung des Operationsfeldes permanent in carbolisirte Luft einhüllte. Nach praktischen Erfahrungen und wissenschaftlichen Untersuchungen erwies sich die Wirkung des Sprayapparates als ungenügend und es stellte sich bald heraus, dass ein 2-3%. Carbolnebel nicht im Stande sei alle in der Luft enthaltenden Infectionsstoffe unschädlich zumachen.