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01.12.2006

Minimalinvasive Endoprothetik

Die neuesten Methoden der minimalinvasiven Chirurgie ermöglichen eine schonende Behandlung von Patienten, die eine Endoprothese benötigen. Durch die neuen, insgesamt sanfteren Verfahren verbessert sich auch die Genesung der Patienten. ORTHOpress sprach mit PD Dr. med. habil. Ludger Gerdesmeyer, Leiter des Departments Endoprothetik und Wirbelsäulenchirurgie im MARE Klinikum und Sankt Elisabeth Krankenhaus in Kiel, der die neuesten Techniken inzwischen auch im Norden etabliert hat.


Herr PD Dr. Gerdesmeyer, was unterscheidet Ihr Verfahren von anderen Prothesen-Operationen?

PD Dr. Gerdesmeyer:
Schonende Verfahren stellen in vielen Bereichen der Chirurgie schon heute einen etablierten Standard dar. Was bei vielen Eingriffen seit Jahren bereits praktiziert wird, ist inzwischen auch in der Endoprothetik möglich. Die neuen, schonenderen Techniken wurden so verbessert, dass sie bei fast jedem Patienten angewendet werden können. Bei der von uns angewendeten Technik ist es in der Regel auch nicht mehr notwendig, Muskeln zu durchtrennen oder Sehnen abzulösen, wovon am Ende die Patienten deutlich profitieren. Wir unterscheiden uns damit grundsätzlich von herkömmlichen Operationsverfahren. So kann der Patient viel schneller auf Stützenverzichten und oftmals schon unmittelbar nach der Operation das Bein wieder vollbelasten. Dadurch kann auch die Rehabilitationsphase verkürzt werden, denn Leben ist Bewegung und nur die volle Wiederherstellung der Funktion in Kombination mit schmerzfreier Bewegung bedeutet den echten Wiedergewinn der Lebensqualität.

Eignet sich die Methode für alle Prothesen-Operationen oder gibt es Einschränkungen?

PD Dr. Gerdesmeyer:
Was heute in der Hüftendoprothetik möglich ist, kann auch bei Schulter- und Knieprothesen angewendet werden. Wichtig bei der schonenden minimalinvasiven Technik ist, dass die Muskeln nicht beschädigt werden, um so auch nach der Prothesen-Operation wieder eine volle Funktion erreichen zu können. Dass am Ende auch der Hautschnitt kürzer ist als bei Standardoperationen, ist eher kosmetisch interessant als funktionell relevant.

Worauf legen Sie bei der Anwendung Ihrer Verfahren besonderen Wert?

PD Dr. Gerdesmeyer:
Dass die Operationsverfahren entsprechend den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und in einer bestmöglichen Technik durchgeführt werden! Deswegen ist es auch besonders wichtig, dass die verwendeten Prothesen, Materialien und Instrumente ebenfalls diesen sehr hohen Anforderungen in gleicher Weise entsprechen. Hier haben gerade auf dem Gebiet der Endoprothetik neue Materialien und technische Verbesserungen dazu geführt, dass heute schon sehr knochensparend operiert werden kann. Nur werden diese Neuerungen und Erkenntnisse längst nicht überall umgesetzt und angewendet. Für die Patienten ist der große Vorteil offensichtlich: Dadurch, dass mit neuen Implantaten kaum noch oder z. T. überhaupt kein Knochen mehr weggeschnitten werden muss, hat der Patient den enormen Vorteil, dass die später oftmals notwendigen Prothesenwechsel-Operationen deutlich leichter und dadurch auch mit weniger Komplikationen durchgeführt werden können. Der Patient verschiebt sozusagen die nachfolgenden Operationen nach hinten. Die Entwicklung dieser schonenden Prothesen-Operationen ist enorm wichtig, da durch das zunehmende Alter und die zunehmende Mobilität der Patientenin der Zukunft die Prothesenwechsel-Operationen deutlich zunehmen werden.

Sie verwenden so genannte Kappenprothesen. Welche Vorteile sind hier zu nennen bzw. nach welchen Kriterien wählenSie aus?

PD Dr. Gerdesmeyer: 
Besonderswichtig und charakteristisch ist hier die Verwendung von sehr knochensparenden Implantaten (Abb.1, Abb.2), bei denen kaum noch Knochen entfernt werden muss. Bei der neuesten Generation dieser Kappenprothesen wird in der Regel so gut wie kein Knochen mehr weggeschnitten. Im Prinzip wird hier nur die Knorpeloberfläche ersetzt. Diese Systeme erfordern allerdings eine sehr gute und auch aufwändigere Operationstechnik, ermöglichen dem Patienten dafür aber auch die fast vollständige Wiederherstellung der Gelenkfunktion.

Sie sprachen die minimalinvasive Operationsmethode für Knie- und Schultergelenk an. Wie vielversprechend sind diese Methoden?

PD Dr. Gerdesmeyer: 
Auch in der Kniegelenks- und Schultergelenksendoprothetik gibt es heute bereits ausgezeichnete minimalinvasive Methoden, sodass auch Schulterprothesen, die heutemeist noch lange Schmerz- und Rehabilitationsphasen nach sich ziehen, ebenfalls in minimalinvasiven Operationstechniken implantiert werden können. Auch hier hat es große technische Verbesserungen gegeben, die es dem Orthopädenermöglichen, komplexe und ausgedehnte Verschleißerkrankungen minimalinvasiv, und damit für den Patienten schonend behandeln zu können. Die Umsetzung technischer Entwicklungenund die Weiterentwicklung der minimalinvasiven Operationstechniken stellen aber nur zwei Bausteine einer erfolgreichen Behandlung dar. In gleicher Weise müssen Rehabilitationsmediziner, Hausärzte, Physiotherapeuten und andere Fachdisziplinen nahtlos ineinandergreifen, so, wiees in der Kooperation des MARE Klinikumsund des Sankt Elisabeth Krankenhauses realisiert ist. Nur dann kann ein sehr guter einzelner Baustein auch zu einem sehr guten Ergebnis beitragen.

Herr PD Dr. Gerdesmeyer, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!