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31.01.2007

Minimal-invasive Chirurgie

90 Minuten höchste Konzentration, acht Ärzte, Assistenten und Schwestern in blauer Op-Kleidung, das Gesicht durch einen Mundschutz verdeckt, Teamarbeit. Die große Lampe an der Decke wirft grelles Licht auf den Operations-Tisch in der Mitte des Raumes. Die Vorbereitungen für die Operation sind abgeschlossen. Langsam setzt Chirurg Ludger Gerdesmeyer die Säge am Knie des Patienten an. Auf kleinstem Raum, mit kleinsten Instrumenten wird operiert? Minimalinvasiv.


Dr. Gerdesmeyer: "Minimalinvasive Chirurgie bedeutet, möglichst viel funktionelles Gewebe, sprich Muskel und Sehnen intakt zu lassen. Und dadurch hat man Zugangswege in der Chirurgie optimiert, um möglichst wenig Muskel und Sehnen abzuschneiden. Weil das ermöglicht hinterher dem Patienten, möglichst schnell wieder auf die Beine zu kommen und auch 100 Prozent der Funktion wieder zu erhalten."

Nachmessen, überprüfen und noch einmal nachmessen. Für Chirurg Gerdesmeyer und seine Kollegen am Kieler Elisabethkrankenhaus ist Genauigkeit das A und O. Damit die neue Knie-Prothese des Patienten am Ende auch passgenau sitzt, setzt Gerdesmeyer auf modernste Technik.

Dr. Gerdesmeyer: "Ich lasse mir bei der Operation helfen und lasse mich kontrollieren durch einen Computer. Weil der Computer mir eine Genauigkeit vorgibt, die ich von Hand und mit dem Auge kaum sehen kann.Der Computer kann mir genau simulieren, wie das Bein gerade wird, wie krumm das Bein gebeugt werden kann hinterher, wie es gestreckt werden kann. Das heißt, ich kann bereits von vornherein in der Operation voraussagen, wie perfekt wird am Ende das Operationsergebnis."

Geeignet ist diese minimalinvasive Methode nach Ansicht des Chirurgen vor allem bei Knie, Schulter oder auch Hüftoperationen. Rainer Harting wurde im vergangenen Jahr von Dr. Gerdesmeyer operiert. Bei dem 45 Jahren alten Polizeibeamten war die Knorpelschicht am Hüftgelenk komplett verschlissen.

Patient: "Das war anfangs wie ein schwerer Muskelkater und wurde dann richtig schlimm und unerträglich. Und man fängt dann an mit so einer Schonhaltung und man fühlt sich zunehmend unwohl damit."

Rainer Harting ließ sich beraten und entschied sich gemeinsam mit Dr. Gerdesmeyer für eine minimalinvasive Operation an der Hüfte, bei der Sehnen und Muskel erhalten bleiben und nur eine künstliche Kappe die kaputte Knorpelschicht ersetzt.

Für Dr. Gerdesmeyer ein Routineeingriff, doch er warnt auch vor Risiken: "Nachteile sind zum einen, dass diese Technik extrem aufwendig ist und erfordert ein hohes Wissen und Können an den Chirurgen. Zum einen hat man eine schlechte Übersicht während der Operation, zum anderen ist der Zugangsweg so weit minimalisiert, dass man mit speziellen Instrumenten und anatomischen Kenntnissen operieren muss."

Allein im vergangenen Jahr hat Dr. Gerdesmeyer in Kiel mehr als 300 Patienten operiert. Auch bei Rainer Harting lief alles glatt. Während früher bei einem derartigen Knorpelverschleiß vielfach das ganze Hüft-Gelenk ausgetauscht werden musste, konnte der Knochen erhalten werden.

Harting fühlt sich heute, 8 Monate nach der Operation, wieder vollkommen gesund: "Also die Beweglichkeit ist wieder hergestellt, der Spreizwinkel Innen- und Außenrotation, das geht also deutlich weiter und eben schmerzfrei. Besser kann man es eigentlich nicht haben. Für mich war es die erste OP in meinem Leben. Aber, na ja, wenn ich sagen würde, es war ein tolles Erlebnis das wäre übertrieben, aber ich habe es sehr gut überstanden und bin total froh darüber."

Autor: Anna Grusnick


Quelle: www.ndrinfo.de